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Carolines Tagebuch

Im Rahmen eines Freiwilligen Ökologischen Jahres von September 2012 bis August 2013 gestaltete Caroline Trommer Kleinfolgenreich mit. Ihre Einträge im ersten Tagebuch dieser Internetseite beschreiben eindrucksvoll die Entwicklung von Kleinfolgenreich im ersten Jahr.

01.-31.08.2013 Abschied von Schortewitz / ct 31.8.13

Resümee einer Freiwilligen / ct

Nun schließt sich der Kreis. Im letzten Jahr hat meine Freiwilligenzeit im September begonnen und nun geht sie mit August zu Ende. Die Fette Henne steht in Blüte genauso wie vor einem Jahr, als ich nach Schortewitz kam.

Da viele Wespen auf den Geschmack von Honig gekommen waren, tummelten sie sich zuhauf im Atelier, was ein weiteres Übernachten nicht mehr möglich machte. So bezog ich für die letzten beiden Wochen meiner Zeit den Bauwagen am Feldstreifen. Unter dem Moskitonetz, das sich wie ein Himmel über mir wölbte, schlief ich immer wunderbar.

Mit der Ernte von Knoblauch und Kartoffeln schloss sich der Jahreskreislauf der Natur für mich in diesem FÖJ. An einem Vormittag meiner vorletzten Arbeitswoche holte ich mit Juliane und Max die Erdäpfel mit Roder und manchmal auch Grabegabel aus dem Boden und sortierte sie später nach Größe und Haltbarkeit. Auch die außerordentlich großen Knoblauchknollen mit prallen Zehen wurden zum Abtrocknen in grünen Abo-Kisten gestapelt.

Dann hieß es Abschied nehmen. Katrin und Max hatten Freunden von Kleinfolgenreich ein Dankesfest gewidmet, zu welchem ich feierlich verabschiedet und Nina, die neue Freiwillige, begrüßt wurde. Viele mir lieb gewordene und geschätzte Freunde und Nachbarn aus dem Ort waren gekommen, um bei Suppe, köstlichsten Aufstrichen, Salaten, Kuchen und Desserts den Sommer zu verabschieden. Auch zwei meiner Schwestern und mein Neffe Matthias waren aus Erfurt angereist, um den Garten und den anhaltinischen Ort kennenzulernen, der mir im vergangenen Jahr doch sehr ans Herz gewachsen ist. Katrins alte Mix-Tapes erklangen munter aus einer altgedienten DDR-Musikanlage mit Kassettenrecorder. Die Nacht war sternenklar und ich war von vielen herzlichen Worten und Gesprächen sehr bewegt und erfreute mich an symbolhaften Abschiedsgeschenken wie einer silbernen Biene, die einst 1953 Deutschen Landfrauen verliehen wurde, selbstgemachten Marmeladen, Tees und Honig und einem handgefertigten Heurechen aus Weidenholz mit persönlicher Namensgravur.
Einen kulturellen Höhepunkt der Region durfte ich eine Woche später an meinem letzten Abend in Schortewitz erleben. In Ostrau öffnete das Schloss mit Garten seine Tore zum Lichterfest. Gemeinsam mit Rosa, Ben, Katrin und Max fuhren ich und Jakob, der mich zum Umzug in den Norden an diesem Wochenende mit dem Auto abholte, zu diesem bunten Abend zwei Dörfer weiter und genossen das Lichtermeer aus Tausenden von Kerzen, die in farbigen Papiertüten die Konturen der Wege erleuchteten, tanzten ausgelassen zu guter jazziger Livemusik und ließen uns von der nächtlichen Feuerjonglage in Bann ziehen.

Ein Fazit. Das vergangene Jahr war gefüllt mit einer Menge neuer Erfahrungen, so dass ich überrascht bin, wie schnell es schon wieder verflogen ist. Vieles ist anders gekommen als erwartet und dennoch mit all seinen Höhen und Tiefen genau so richtig und gut für mich. Ich fühle mich jetzt der Natur mit ihrem wiederkehrenden Rhythmus näher verbunden als vorher und habe auch im Zusammenleben mit Max einiges Neues über mich gelernt. Ich bleibe in meiner Entwicklung nicht stehen. Es geht weiter. Mit jedem Tag einen Schritt, ob nun vor oder ab und an auch einmal zurück oder im Stillstand verharrend. Die Zeit in Schortewitz hat mich geprägt und gelehrt und ich hoffe, dass ich einen Teil davon immer im Herzen tragen werde.

Jetzt wohne ich im hohen Norden auf dem Land nahe Flensburg. Wieder ein Neuanfang.
Seit Juli arbeitet Jakob hier auf einem Bioland-Hof, der sich im Gemüseanbau spezialisiert hat. Auf einem Milchviehbetrieb teilen wir uns seit Anfang September ein einfaches, aber gemütliches Zimmer unter dem Dach und erproben das Zusammenleben. Hier arbeite ich als Hauswirtschafterin bei der Firma Sonnenwärme Direkt, die solarthermische Technik vertreibt. Neben dem Putzen koche ich vor allem mit regionalem, saisonalen Gemüse (von Jakobs Hof) für die Mitarbeiter_innen das Mittagessen. Aufgrund von Umbauarbeiten koche ich diese Woche in einem Imbisswagen, was mich sehr an den Küchenwagen von Katrin erinnert. Bei strahlendem Sonnenschein und kräftigen Windböen gab es heute Cheeseburger und frittierte Kartoffelspalten, um dem Ambiente gerecht zu werden und auch die Mitarbeiter zu erfreuen, die eher Convenience gewöhnt sind ;)

Das Kochen samt Organisation fordert mich wirklich heraus, macht mir zugleich doch viel Freude. Und genau wie im Kindergarten ist es der beste Dank, gemeinsam mit den anderen die Mahlzeit in der Pause einzunehmen.

Nun geht der Tag zu Ende – die Dunkelheit bricht herein. Ich merke, wie mein Körper sich erst einmal an den neuen Rhythmus und die neuen Arbeitsaufgaben gewöhnen muss und vermisse die viele frische Luft bei der Gartenarbeit. Diese hole ich mir jetzt bei ausgiebigen Laufrunden bei Sonnenuntergang vorbei an weitflächigen Feldern, die so typisch für Schleswig-Holstein sind. In kleinen Schritten fasse ich hier Fuß. Ob es ein Ort ist, an dem wir länger bleiben, wird sich in den nächsten Wochen entscheiden.

01.-31.07.13 Sommer in Schortewitz / ct 30.8.13

Ein Rückblick auf Juli

Nun ist bereits der letzte Monat meines Freiwilligendienstes angebrochen und ich habe es bisher nicht geschafft, euch an den vergangenen Wochen teilhaben zu lassen. Doch in dieser schönen Jahreszeit verbringe ich die Abende nur ungern vorm Computer, obwohl es einem die Mücken nach wie vor ganz schön schwer machen, die Kühle des sich neigenden Tages im Garten unbeschwert zu genießen.

Der Monat Juli begann mit einem freudigen und zugleich traurigen Ereignis. Max feierte am 2. Juli seinen Geburtstag. Am selben Tag mussten wir aber auch Abschied nehmen von einer treuen und verschmusten Begleiterin: Die Katze des Nachbarn, die aufgrund ihres verkürzten Schwanzes „Halbschwanz“ gerufen wurde, war schon länger vermutlich durch eine Krankheit geschwächt gewesen und in dieser Nacht eingeschlafen. Sie fand ihre letzte Ruhestätte unter einer blühenden Linde bei den Bienenbeuten.
Am ersten Wochenende des Monats lud Kleinfolgenreich erstmalig zum Bienenfest ein. Eine vielfältige Gästeschar aus dem Ort und der Stadt war erschienen und erfreute sich bei Sonnenstrahlen vom blauen Himmel an Wissenswertem über die wesensgemäße Bienenhaltung, selbstgebackenen Kuchen vom Heimatverein und der Traktorfahrt quer durch den Ort mit Familie Springer. Ich war gemeinsam mit den Schülern der Honigrausch-AG zuständig fürs Schauschleudern im Bauwagen. Es machte mir viel Freude, das Handwerk zu veranschaulichen und dabei mit Jung und Alt ins Gespräch zu kommen, auch wenn wir die Tür geschlossen halten mussten und damit der Bauwagen auch gut als Saunawagen durchgegangen wäre. Am Sonntag rundete ein fröhlicher Freiluftgottesdienst im Garten der Stille die Festivität ab.

Ins Schleudern geriet ich im vergangenen Monat regelmäßig. Die Honigzargen türmten sich im Atelier und gingen nicht aus, sodass es für mich und den einen oder anderen jungen Helfer (wie Jon oder Rosa und Martin) viel zu tun gab. So hatte ich auch Gelegenheit, meinen Fundus an Musik-CDs mal wieder neu zu entdecken, wenn ich bei der Arbeit die Stereoanlage ordentlich aufdrehte.
Die Natur trägt Früchte. So gab es schwarze Johannisbeeren und Sauerkirschen, die ich eimerweise erntete und gemeinsam mit Katrin am Abend in viele Gläser einkochte. Als die Berliner zu Besuch waren, holte ich mit Jon und Karl die ersten Kartoffeln des Jahres aus dem Acker und wir verspeisten sie mit leckerem Kräuterquark zum Mittag.

In der vergangenen Woche regnete es immer wieder einmal. Doch vorher hielt eine lange Trockenperiode an, sodass ein ausgiebiger Gießeinsatz für die Neupflanzungen in Kleinfolgenreich unumgänglich war. So luden wir einen 1000-Liter-Kanister auf den Anhänger, tankten ihn voll Wasser und verteilten den Inhalt sowie zusätzlich handgepumptes Wasser mit Kannen und Eimern an die bedürftigen Pflanzen bis zum Einbruch der Dunkelheit.

An zwei letzten Kochtagen nahm ich Abschied von den Erdenkindern. Gemeinsam mit Juliane kochte ich Schokopudding mit Roter Grütze, den ich zum letzten Mal in fröhlicher Runde mit den großen Wurzelkindern verspeiste. Am Dienstag buken wir noch aus zwei Kilogramm Mehl viele Bienenspendenkekse für das Georgium Dessau. Eine schöne abschließende Aktion in dem mir lieb gewordenen Küchenwagen, in dem ich an vielen Tagen des vergangenen Jahres den Kochlöffel schwang oder emsig Gemüse schnippelte.

Ja, es geht etwas zu Ende. Aber damit fängt auch etwas Neues an. Auch wenn es noch nicht ganz raus ist, wohin Jakob und mich der Wind treibt, so hat sich hier vor Ort doch etwas aufgetan. Es gibt eine junge neue FÖJ-Bewerberin namens Nina. Wenn es so sein soll, wird sie in meine Fußstapfen treten und die Arbeit in Schortewitz und Halle fortsetzen.

Jetzt, wo die Tage länger sind, findet sich immer wieder einmal Gelegenheit für ein Bad in der am Ortsrand gelegenen Tonkiete am Abend, oder nachts mit Katrin nach getaner Arbeit wie der großen Gießaktion. So ist der Sommer. Einfach so! Einfach herrlich! Und ich bin so dankbar, das alles erleben zu dürfen.

Eindrücke von der Umgebung zeigten sich mir bei einer Fahrradtour durch Anhalt auf dem Fuhneradweg über Wolfen und Jeßnitz und dem Muldetalradweg am Muldestausee vorbei in Richtung Dübener Heide, wo ich meine Eltern besuchte. Und wieder einmal wurde mir bewusst, dass es gar nicht notwendig ist, ins Flugzeug zu steigen und tausende Kilometer weit weg zu fliegen, um etwas Neues zu entdecken. Es wartet direkt vor der Haustür. Man muss nur einfach mal hinschauen und sich darauf einlassen.
Gestern folgten meine Eltern meiner Einladung und wir haben das wider Erwarten richtig niedliche Städtchen Köthen angeschaut, das Historische Museum mit Bachgedenkstätte besucht und sind in den rustikalen Biergarten des Brauhauses eingekehrt. Danach verdunkelte sich der Himmel schlagartig, ein starker, doch kurzweiliger Sturm zog auf und ein wahrhaftiges Sommergewitter brach über uns herein. So saß ich dann später bei Kerzenschein (der Strom war ausgefallen) in meinem Kämmerchen und begleitete meinen Gesang auf der Gitarre. Eine besondere Atmosphäre bei prasselndem Regen auf dem Dach!

17.06.-21.06.2013 Bienenschwarm im Eimer / ct 4.7.13

Die Wochen fliegen dahin und manchmal blicke ich schon wehmütig dem Ende meines Jahres in Schortewitz entgegen. Aber alles hat seine Zeit. Ich bin gespannt, wohin es mich danach verschlägt und welche neuen Aufgaben mich dann erwarten.

Während ich diese Zeilen in der Abendsonne schreibe, bin ich unentwegt damit beschäftigt, um oder auf mich zu schlagen, um das Heer von Mücken davon abzuhalten, mich zu attackieren. Es ist schade. Egal ob Tag oder Nacht, Sonne oder Schatten – überall lauern diese fiesen Insekten auf frisches Blut und vermiesen einem oft die Freude am Tun im Freien und jede Hoffnung auf einen lauen gemütlichen Sommerabend im Garten. Hoffentlich wird das bald wieder erträglicher.

Am 11. Juni durfte ich zum ersten Mal miterleben, wie vom Volk „Stolle“ ein Bienenschwarm fiel. Am späten Vormittag rief mich Max vom hinteren Feldstreifen zu sich. Mit jedem meiner Schritte wurde das Geräusch eines eindringlichen Summens in der Luft immer lauter. Als ich vor der Beute stand, bewegten sich Tausende von Bienen in der Luft, zunächst chaotisch, doch nach genauerer Beobachtung ließ sich erkennen, dass sie miteinander kommunizierten, an welchem Ort sie sich niederlassen würden. Die solidarische Entscheidung fiel auf den großen Kirschbaum. Sie wählten einen Ast ziemlich weit oben und setzten sich weniger als Traube, denn als längliches Gebilde fest. Max war genau zum richtigen Zeitpunkt vor Ort und konnte intervenieren. Mit einem selbst entworfenen Auffangbehälter aus einem großen Eimer, der an einem Teleskopstab befestigt war, begab er sich auf die große Leiter hinauf zum Schwarm und holte diesen in mehreren Etappen nach unten und setzte ihn auf ein Brett vor eine Schwarm-
kiste. Es ist immer besser, wenn die Bienen selbst ihr neues Zuhause beziehen. Damit identifizieren sie sich ganz anders mit der Behausung und der geduldige Imker kann recht sicher sein, dass der Schwarm nicht noch einmal auszieht um seine Höhle selbst zu suchen.

Leider ist die Königin nicht gleich zu Beginn mit in die Schwarmkiste eingezogen. Nach einigen Stunden war immer noch ein aufgeregtes Treiben zwischen Kirschast und Schwarmkiste zu beobachten. Statt endgültig einzuziehen, traten einige Bienen schon wieder den Rückflug zu der kleinen noch am Baum verbliebenen Traube an – ein Zeichen, dass die Königin noch nicht mit umgezogen war. Nun schnitt Max den ganzen Ast ab und bot nun auch der übrigen Traube das neue Zuhause an, was sie schließlich auch annahmen. Eine spannende Aktion.

Das in der Beute verbliebene junge Volk wartet nun auf das Schlüpfen einer neuen Königin aus einer der Weiselzellen. Es wird sozusagen neu geboren, erhält einen Namen und fängt an, eigenständig zu leben. Das alte Volk findet in der Schwarmkiste Rähmchen mit nur einem schmalen Anfangsstreifen vor. Sie haben nun alle Hände voll zu tun, sich einen neuen Stock aufzubauen, damit neue Brut gelegt und Honigvorräte angelegt werden können. Dieses geteilte Volk gibt für dieses Jahr keinen Honig mehr, da es seine aufgeteilten Kraftreserven erst wieder konzentrieren muss.
In den letzten Wochen habe ich das Handwerk des Schleuderns von Honigwaben kennengelernt und praktiziert. Zunächst werden dabei die oft prall gefüllten Waben aus den Honigzargen mit einem speziellen Sägemesser oder einer Gabel mit vielen feinen spitzen Zinken entdeckelt. Dann hängt man mindestens 3 Honigrähmchen in gleichem Abstand zueinander in das Schleuderfass und schleudert manuell per Drehkurbel mit Kraft und zugleich Gefühl die Rähmchen solange, bis der ganze Honig herausgeflossen ist und sich am Boden des Fasses angesammelt hat. Dann wird der Honig durch ein grobes Sieb in einen Eimer abgelassen. Durch drei weitere immer feiner werdende Siebe läuft der Honig dann in den Abfüllbehälter, wo er noch einige Zeit reift, bis er dann cremig gerührt und in Gläser abgefüllt wird.

Bei stimmungsvoller Musik schleuderte ich an einem Abend mit Max und in der letzten Woche mit meinem Freund Jakob, der sich für einige Tage hier in Schortewitz auf seine Abschluss-
prüfungen als ökologischer Landwirt vorbereitete, bis in die Nacht hinein.

Am meisten genieße ich dabei den sinnlich-süßen Honigduft, der aus der in Bewegung geratenen Schleuder wie ein frischer belebender Wind hervor steigt, wenn man den Deckel öffnet und sich über das Fass beugt.
Zum Schluss wieder ein köstliches saisonales Rezept für Brennnessellasagne:

Zunächst die Köpfe von jungen Brennnesseln (am besten ohne Blüte!) sammeln. Dann Zwiebeln kleinschneiden, in Öl anbraten und die gewaschenen Brennnesseln dazugeben und mit ein wenig Wasser dünsten.

In der Zwischenzeit Butter in einem Topf zum Schmelzen bringen und mit Mehl eine Mehlschwitze anrichten. Dann Milch und/oder Wasser dazugeben, Parmesan einstreuen, sodass eine sämige Sauce entsteht und mit Salz, Pfeffer und Muskat abschmecken.

Vor dem Anrichten die Lasagneblätter in der Auflaufform mit kochendem Wasser übergießen und kurz ziehen lassen, sodass sie flexibler für den passgenauen Zuschnitt sind. Dann immer abwechselnd Lasagneblätter, das Brennnessel-Zwiebel-Gemüse und die Béchamel-Sauce in der Form schichten. Zum Schluss Käse zum Überbacken darüber streuen. Bei 175 Grad Celsius die Lasagne für 30-40 min im Ofen fertig garen.

Guten Appetit!

27.05.-31.05.2013 So ein Donnerwetter / ct 17.6.13

Anhaltender Regen tagelang. So verging die Woche ohne nennenswerte Auflockerung des grauen Himmels. Am Mittwoch hielt der Regen sich für ein paar Stunden zurück und ich genoss eine herrliche und erfrischende Frühlingsabendstimmung auf dem Weg zum Radegaster Chorsingen, vorbei an zartgrünen Weizenähren, die vom Wind gestreichelt wurden. Doch schon nach der Chorprobe hatte es wieder zu nieseln begonnen.

Auch Freitagnachmittag brach die Wolkendecke noch einmal auf und ermunternder Sonnenschein breitete sich aus. Das bewirkte bei den Bienen eine scheinbar aus dem nichts hervorbrechende Aktivität. Bei den wenigen Sonnenstunden zurzeit zählt jede sonnige Minute. Und für die Bienen ist es langsam wirklich existentiell, dass das Wetter wieder umschlägt und wärmer und trockener wird. Denn vor allem für die Schwärme, die keine Vorräte haben und die Königinnenzucht, deren Prinzessinnen jetzt für den Königinflug bereit sind und von den Drohnen erwartet werden, ist die Zeit überreif.

Doch direkt im Anschluss kippte die Witterung erneut. Ich wurde Zeugin der schnell umbrechenden Laune der Natur. Während ich gerade im Schleuderhäuschen die Holzbeuten und verschiedenen Einzelteile mit Öl imprägnierte, zog ein lautes Donnergrollen auf, Blitze zeichneten sich am Himmel ab und ein Wolkenbruch kam hernieder. Es wurde dunkler und dunkler. Umgeben von tobendem Unwetter empfand ich dennoch ein Gefühl von Geborgenheit im Schutze des Häuschens. Ein bizarres Erlebnis.

Ein wiederkehrendes Unternehmen dieser Woche war das Ablesen von Kartoffelkäfern und ihren kleinen quietschorangenen Stiften sowie den Nacktschnecken. Die letztgenannten sammelte ich am Morgen bestenfalls nach frischem Regen von den Stauden ab und die Käfer von den Kartoffelpflanzen in der warmen Mittagszeit, wo manchmal ein Hauch von Sonne durch die Wolkendecke hindurch spähte.

Außerdem lötete ich für die Bienenbeuten Wachsmittelwände in Rähmchen ein oder einen Anfangsstreifen in Rähmchen, an dem ein Schwarmvolk weiterbauen kann.
Schließlich noch ein guter Tipp für eine sauersüße Gaumenfreude. Wer Lust auf Rhabarberkuchen hat, braucht für ein Blech folgende Zutaten:

750 g Rhabarber
250 g weiche Butter
250 g Zucker
1 Paket Vanillinzucker
1 Prise Salz
4 mittelgroße Eier
250g Mehl
75 g Speisestärke
2 Teelöffel Backpulver

Rhabarber putzen, schälen und in kleine Stücke schneiden. Butter mit Zucker, Vanillinzucker und Salz aufschlagen, nach und nach die Eier dazugeben. Das Mehl mit der Stärke und dem Backpulver vermengen und unter den Teig heben. Teig auf gefettetes und mit Mehl bestäubtes Blech geben, Rhabarberstücke darauf verteilen und schließlich mit Zucker (nach Geschmack auch mit Zimt) abrunden. Bei 200 Grad Celsius 30-40 Minuten im Elektroherd backen.
Guten Appetit!

29.04.-03.05.2013 In voller Blüte / ct 3.5.13

Jetzt beginnt die Saison, wo ich wieder vorwiegend in Schortewitz arbeiten werde. Und dazu begrüßt mich der Garten liebevoll mit der Baumblüte. Die Vorreiter in der vergangenen Woche waren Pfirsich, Mirabelle, Wildpflaume und Kirsche. Die große Esche am Hügel blüht auch und wirft ihre Samenfäden ab. Beim Tischler sind die Bienen am Eschenahorn emsig beim Nektarsammeln und erfüllen den Garten mit einem beschäftigten anhaltenden Summen und Brummen. Seit dieser Woche steht nun auch Birne und Apfel in der Blüte. Die Bauernweisheit des Tischlers hat sich bewährt. Wie vorhergesagt sind die Schwalben nach sieben Monaten aus dem Süden zurückgekehrt. Nachdem sie am 20. September ihren Zug begonnen haben, sind sie nun am 17. April wieder hier eingetroffen. Faszinierend, wie exakt die Uhr der Natur sein kann.
Dank der Baum- und Strauchspende der Jägerschaft Schortewitz tut sich in Kleinfolgenreich gerade viel. Gemeinsam mit Max grub ich am Montag weitere Wiesenstreifen um und erlernte durchs Tun das Einpflanzen von Sträuchern. Damit die Quecke und anderes Beikraut nicht sofort wieder auf den Pflanzscheiben Fuß fassen, brauchen wir viel Mulch. Dafür stieg ich Dienstagmittag auf einen Anhänger, der von Gerhard Springers kleinem roten Traktor gezogen wurde. Und so tuckerten wir zur Fuhneaue, um eine große Ladung Weide zu holen, die sie dort im Dezember gekellt hatten. Dieses Holz eignet sich wunderbar zum Schreddern, da es ziemlich gerade wächst und nicht vorher noch zurechtgeschnitten werden muss, damit es in den Häcksler passt.
Kleinfolgenreich ist auch ein Zuhause für Tiere. Mindestens eine Eidechse bewohnt den Bienengarten und gerade in den feuchteren Tagen zeigte sich, was für ein Paradies Kleinfolgenreich für Weinbergschnecken sein muss. Denn sie waren allerorts anzutreffen und es gestaltete sich beim Arbeiten recht schwierig, den Fuß abzusetzen ohne das Leben einer Schnecke zu riskieren. Auch viele Singvögel nisten hier. Im Reisighaufen, dessen Geäst eigentlich geschreddert werden sollte, fand sich ein Nest mit drei Eiern. So wichen wir mit der lauten Maschine auf einen weiteren Haufen aus und hoffen, dass die Eier weiter bebrütet werden.

Wie man Möhre, Rote Bete, Rucola, Senf, und Lupine sät, konnte ich in der letzten Woche lernen. Um das Beet besser pflegen zu können, lässt man zwischen den Reihen einen regelmäßigen Abstand, um später das Wurzelwerk des Beikrauts mit dem Schuffel lösen zu können. Zu dem eigentlichen Saatgut gibt man zusätzlich Radieschensamen. Denn Radies geht früher auf und markiert damit die Pflanzreihen.

15.-19.04.2013 Vom Strahlen vom Himmel und der Erde / ct 27.4.13

Nach einem ersten frühlingshaften Wochenende in Schortewitz packe ich am Montagmorgen bei vielversprechendem Sonnenschein mein Rad und fahre zur Bahnstation. Dort steige ich in den Regionalexpress, in dem viele andere FÖJler_innen bereits beisammen sitzen. Unser gemeinsames Ziel ist Salzwedel. Dort steigen wir auf die Räder und fahren gut 20 km bis zu unserem Seminarort, dem Tagungshaus in Meuchefitz.

Das Wendland hat seinen ganz eigenen Charme. Wie gut, dass wir es peu á peu auf unserer Fahrradstrecke kennenlernen können. Die kleinen Dörfer mit ihren traditionellen Bauernhäusern mit frommen Segenssprüchen am Giebel werden mir lang und gern in Erinnerung bleiben. Die Temperaturen sind nahezu sommerlich. Einige werfen den Ballast von den Füßen und gehen die folgende Woche nur noch barfuß. So ist unsere Seminarwoche eine gute Gelegenheit, den Zeitraffer, den die nun unaufhaltsam aufbrechende Natur vorgibt, bewusst mitzuerleben und wahrzunehmen. Das macht dieses gemeinschaftliche Erlebnis nur noch wertvoller.

Diese Woche dreht sich alles um das Thema Energie. Wir besichtigen zunächst eine Biogasanlage und besteigen dann ein Windrad der Wendland-Wind-GmbH, wobei wir auf Höhe des Rotors gut 50 Meter über dem Erdboden eine neue Perspektive einnehmen. Wir lernen beide Seiten zum Thema Atomenergie im Wendland kennen. Neben einem sehr ansprechenden und spannenden Gespräch mit einem Vertreter der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V. erhalten wir die Möglichkeit, ins Erkundungsbergwerk Gorleben einzufahren. Diese Salzlagerstätte wird als mögliches Endlager für mittel- und hochradioaktiven Atommüll erforscht. Nicht weit davon sind die Castoren zwischengelagert. Es steht auch eine Pilotkonditionierungsanlage* zur Verfügung, die aber nicht in Gebrauch ist. Im Informationshaus der Gesellschaft für nuklearen Service GNS wird uns von Seiten der Atomindustrie bei Softgetränken und Keksen die Verantwortbarkeit mit einem vermeintlich geringen Restrisiko der atomaren Energiegewinnung erläutert. Die Politik hat mitllerweile einen Richtungswechsel vorgegeben. Ob nun Gorleben weiterhin als Endlager gehandelt wird, steht noch aus.

Es kamen viele interessante Argumente für und wider die Atomenergie. Neu für mich war beispielsweise, dass die Atomindustrie in ihren Anfängen staatlich subventioniert wurde. Der Staat hatte ein Interesse daran, schnell viel Strom zu erzeugen und nahm es in Kauf, die Menschen mit diesem stetigen Risiko eines Supergaus bzw. der ungeklärten Frage der Entsorgung des Atommülls leben zu lassen.
Bis 2022 sollen nun alle deutschen AKWs vom Netz gehen. Meiner Meinung nach sollte das zwar schon längst geschehen sein. Aber es ist ein wichtiger Schritt in die einzig vertretbare Richtung. Denn wie gerechtfertigt ist es, immer weiter radioaktiven Müll zu produzieren, wenn man noch nicht einmal weiß, wo der bereits angefallene wirklich endgelagert wird? Wo liegt da unser Verantwortungsbewusstsein für die kommenden Generationen? Diese Vorgehensweise fällt mir wirklich schwer, nachzuvollziehen.

Der Donnerstagvormittag steht im Licht der Erneuerbaren Energien. In Kleingruppen setzen wir uns mit Vor- und Nachteilen von Solar-, Biogas- und Wasserkraftenergie als auch mit Geothermie auseinander, und präsentieren unsere Resümees schließlich in Kurzfilmen und einem Lied. Am Nachmittag gibt es genug Freiraum für unsere Kreativität bei Improvisationstheater, Schnitzworkshop, Weiden flechten oder einem interaktiven Rundgang durch das nahegelegene Wäldchen.

Der Verköstigung fehlt es wieder einmal an nichts. Sehr abwechslungsreich und lecker wird zu jeder Mahlzeit etwas Schmackhaftes auf den Tisch gezaubert. Am Mittwochabend ist Grillzeit und bei einer Auswahl von Schnitzel über Halloumi bis Gemüsespießen für alle Ernährungsüberzeugungen etwas dabei.

Die Tage klingen für uns je nach Belieben mit einem Besuch des Saunabauwagens oder bei Gesang oder Werwolfspiel am Lagerfeuer aus. Einen bunten Eindruck vom Menschenschlag der Gegend bekommen wir am letzten Abend, als der Gasthof Meuchefitz seine Türen für hungrige Mäuler aus der ganzen Umgebung öffnet und Jung und Alt heiter und gemütlich zusammenkommen, erzählen, Fußball spielen und einen lauen Frühlingsabend genießen. Keine Frage: Die Menschen hier sind in Bewegung!

Fazit: Ein gelungener Auftakt in die warme FÖJ-Saison!

*Pilotkonditionierungsanlage = auch PKA meint eine Mehrzweckanlage, die vorwiegend zur Konditionierung abgebrannter Brennelemente für die Endlagerung dient. Hier können Verpackungsverfahren für Brennelemente und radioaktive Abfälle entwickelt und optimiert werden, was unverzichtbar für den Entsorgungsweg der direkten Endlagerung ist.

08.-14.04.2013 Kochen mit Denkanstößen / ct 19.4.13

08.-14.04.2013 Kochen mit Denkanstößen

Der Küchenwecker tickt rhythmisch vor sich hin. Dann kommt er mit einem durchdringenden Klingeln und Vibrieren zum Stehen und signalisiert mir, dass es Zeit ist, den Backofen mit den Brotchips wieder anzustellen. Um die hauchzarten Scheiben eines altbackenen Brotes zu Knabbergebäck zu verarbeiten, ist es notwendig, die Scheiben gut durchzutrocknen. So folgt die Prozedur einem ständigen Wechsel zwischen Backzeit und Auskühlzeit, damit die Chips nicht verbrennen (denn die Mindesttemperatur des Herdes beträgt 160 Grad Celsius).
Wir werden sie uns in Schortewitz gut schmecken lassen. Es ist wohl das erste Mal im FÖJ, dass Katrin und ich am Donnerstag eine ganze Stunde vor der Essenszeit mit der Vorbereitung der Speisen fertig sind. Die zu schälenden 12 kg Kartoffeln waren ohne Fehl und Tadel, so dass wir schneller arbeiten konnten als gedacht. Im Topf köcheln noch die Weißen Riesenbohnen vor sich hin, die nachher in einer Gemüse-Tomatensoße landen und den Erdenkindern zu den Kartoffeln gereicht werden. So ist nun Gelegenheit zum Schreiben.

Heute morgen haben wir mit Regenjacken dem Aprilregen getrotzt und also emsig Kartoffeln und Möhren auf dem Hof gewaschen und geschält. Katrin hat mir dabei erzählt, dass Monsanto (wieder einmal) dabei ist, Patente auf Gemüse anzumelden. Auf so eine machtgeile und absolut bedenkliche Idee muss man erst einmal kommen. Es ist jetzt wahrscheinlich noch gar nicht abzuschätzen, welche Folgen das langfristig nach sich ziehen wird. Bei einigen Gemüsesorten wie Tomaten und Blumenkohl gehören Monsanto schon die Rechte an spezifischem Saatgut. Werden sie dieser Ambition weiter großflächig nachkommen, wird sich ihr Monopol im Lebensmittelmarkt nur noch weiter stärken. So geraten Landwirte und Produzenten im Gemüseanbau immer weiter in Bedrängnis, denn sie werden unfreiwillig abhängig vom gebührenpflichtigen Gebrauch des Hybridsamens des Riesenkonzerns, den sie jedes Jahr neu erwerben müssen.

Kann das gut gehen, dass die Rechte an einem Gemüse oder Obst in der Hand eines Einzelnen liegen? Ich glaube nur, wenn diese Hand zu Gott gehört. Doch ich finde es dreist und überheblich, dass Menschen auf dieses Wunder der Natur, dass aus einem Samen eine Pflanze mit nährreicher Frucht hervorgeht, Eigentumsanspruch erheben!

Und was ist mit der Vielfalt? Wenn das Monsanto-Saatgut auf vielen Teilen der Erde ausgesät wird, ist auch das alternative Saatgut gefährdet. Denn sobald sich beide Samen miteinander kreuzen, hat Monsanto zum Einen plötzlich auch von Nicht-Kunden Anspruch auf Gebührenpflicht gegenüber dem patentierten Saatgut und zum Anderen vereinheitlicht sich das Saatgutangebot immer weiter. Und was, wenn dieser überzüchtete Samen irgendwann nicht mehr seinen Zweck erfüllt, krankt und vergeht? Wird es dann bestimmte Gemüsesorten einfach nicht mehr geben? Werden die zukünftigen Generationen dann beispielsweise Möhren und Broccoli noch auf dem Speiseplan haben?

Unsere Lebensmittelversorgung geht uns alle an. Also bildet euch bitte eure Meinung zu dieser Vorgehensweise von Monsanto beim Bereitstellen grundlegender Nahrungsmittel und unterstützt die Petition, wenn euch das ähnlich gegen den Strich geht wie mir:

www.avaaz.org/de/monsanto_vs_mother_earth_loc/?cXoKBdb

Das anstehende Wochenende werde ich mit Frühjahrsputz und dem Abfüllen und Etikettieren von Honig verbringen. Kommende Woche trifft sich meine Seminargruppe im Wendland zum vierten FÖJ-Seminar. Im Mittelpunkt wird Energie und Klimawandel stehen.
Ein Erfahrungsbericht dazu folgt.

Immenhoch

Der Baumeister lebe hoch – Ankunft am 9. Juni 2015

Immenallee

Herzlichen Dank liebe Baum-Paten!

Immenhort

Sabine & Thomas

Immenbar

Regina zieht nach Halle

ZooImmen

Tausendfacher Tierbestand im Zoo Halle

Termine

Immenhort-Kurse 2018

Weggefährten

Katrin Langheinrich *72

Kleinfolgenreich

Drachenfest

Gärten

Labsal in trostlosen Weiten / 2014

fuss