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Immenbar

Die Oberträgerbeute, oder auch Top Bar Hive, wurde in dieser Form ursprünglich für die Entwicklungshilfe in Afrika konzipiert. Diese Form der Beute ermöglicht auch Anfängern hierzulande einen Einstieg in die wesensgemäße Imkerei ohne Rähmchen und Mittelwände. Das Tagebuch dokumentiert die Entwicklung der ersten beiden Bienenvölker in zwei Top Bar Hives in Halle und Kleinfolgenreich.

Über den Winter / me 14.3.16

Kann Regina die wahnsinnige Energie, die sie beim Wabenbau im Mai und über den Sommer hinweg beim Nektar- und Pollensammeln an den Tag gelegt hat, auch über den Winter konservieren? Würde der Schwarm die kalte Jahreszeit gut überstehen? Als Neu-Imker ohne großen Erfahrungsschatz kreisten spätestens ab August meine Gedanken fast allein um diese Fragen. Ohne Milbenbekämpfung würde es ganz sicher nicht funktionieren, das war klar. Aber geht es auch ohne die Ameisensäure-Keule?
Ab Mitte August habe ich öfter die Windel in der Top Bar kontrolliert, und einen geringen, aber stetigen Milbenfall beobachtet. Ich habe dann mit einer regelmäßigen Oxalsäurebehandlung begonnen, alle fünf Tage, so lange, bis ich keine Milben mehr auf der Windel gesehen habe. Die Behandlung schien erfolgreich gewesen zu sein! Die Bienen haben es gut vertragen, soweit ich das beurteilen konnte.
Dann stellte sich die Frage des Zufütterns. Da ich über den Sommer keinen Honig entnommen hatte, sollte sich eigentlich das Thema von selbst erledigt haben! Nichts raus – dann muss doch eigentlich auch nichts zusätzlich rein!? Ich wollte trotzdem auf Nummer sicher gehen, und habe ein Futtergemisch aus Wasser und Rübenzucker – ca. 2,5 kg – Anfang September gefüttert. Es scheint lecker gewesen zu sein, die Futtertasche war nach einem Tag leergeräumt. Alle Waben hatten schöne Futterkränze, die Randwaben waren gut mit Honig gefüllt. Ein schöner Vorrat für den Winter.
Zwei Tage vor Weihnachten habe ich bei frühlingshaften Temperaturen die Oxalsäurebehandlung wiederholt. Es war zu diesem Zeitpunkt kaum Milbenfall zu beobachten. Über den Winter habe ich die Beute dann weitgehend in Ruhe gelassen.
Anfang März kehrte dann mit den ersten Sonnenstrahlen das Leben zurück in die Top Bar Hive. Regina scheint ihren Futtervorrat optimal berechnet zu haben, denn es war immer noch genügend verdeckelter Honig vorhanden. Meine Sorgen scheinen unberechtigt gewesen zu sein. So wie sie die Zahl der Waben an den Oberträgern festgelegt hatte, war auch genügend Futter für das Überleben des Winters eingetragen worden.
Ich bin gespannt, wie sehr sich der Bien jetzt im Frühjahr weiter in der Beute ausbreitet. Bleibt es bei den zehn besetzten Oberträgern, oder wird der Platz bald zu knapp?

In der Morgensonne / me 2.7.15

Eine Brutwabe aus der Mitte der Beute. Baufortschritt sechs Wochen nach dem Einzug des Schwarms. ©  me

Kaltbau ist cool / me 27.6.15

Regina ist fleißig. Sechs Wochen nach dem Einzug sind mittlerweile an neun Oberträgern Waben angebaut worden. Durch das große Sichtfenster an der Rückseite der Beute können wir zwar jederzeit den Baufortschritt erkennen, aber eine Durchsicht erlaubt natürlich einen viel intensiveren Einblick. Vor ziemlich genau drei Wochen hatten wir den Schwarm mit Milchsäure behandelt. Diese Prozedur sollte jetzt wiederholt werden. Ich hatte täglich zwischen 10 und 20 Milben auf der Windel gezählt, und halte das für relativ viel. Nach dem Öffnen der Beute zeigte sich ein sehr schönes und gleichmäßiges Wabenwerk. Bis auf die Randwabe und zwei, drei kleinere Stellen, waren keine Wachsbrücken an der Beutenwand zu sehen. Die Oberträger ließen sich sehr einfach entnehmen, und scheinen auch unter der größer werdenden Last der Waben stabil zu sein. Den Zusammenbau nach dem Einsprühen mit Milchsäure habe ich in einem kurzen Video festgehalten:

Offenbar scheint die zweite Behandlung mit Milchsäure nur einen kleinen, oder gar keinen Effekt erzielt zu haben. Am nachfolgenden Tag habe ich nur zehn Milben auf der Windel vorgefunden. Genauso viele, wie auch an den Tagen davor. Da ich versuchen möchte, ohne Ameisensäure in den Winter zu kommen, werde ich das Milbenaufkommen in den kommenden Wochen und Monaten genau beobachten.

Sitz des Schwarmes nach seinem Einzug ©  mb

Elfes zehnte, zuletzt ausgebaute Randwabe ©  mb

Elfe läßt grüßen / mb 27.6.15

Vielen Dank Markus,
für die wunderbaren Eindrücke in der Gestaltfindung des Bien in (d)einer Top bar hive.
Wir sprachen darüber, Elfe machte der vorgelegte Warmbau anfänglich zu schaffen und sie kauerte sich irritiert in eine Ecke. Nun hat sie wohl genügend Kraft geschöpft und überwallt das Imkermuster. Trotz der großen Glasscheibe erlebe ich das Stockklima unter dem mit Roggenstroh gedämmten Dach als vorzüglich, was sich auch an dem bislang stets trockenen Bodenbrett ausmachen läßt. Nachdem ich einen Oberträger hinzugefügt hatte, stieg ich hinauf zum Immenhoch Bien Sabine. Alsbald zeigte sich die goldgelbe Königin im Hofstaat auf dem frischen Wabenwerk, wie wunderbar ihr zwischen Himmel & Erde zu begegnen.

Die Weisel neigt sich in eine Zelle. Bitte auf das Bild klicken. ©  mb

Regina zieht ein. ©  kl

Regina zieht nach Halle / me 15.6.15

Drei Wochen sind seit Pfingstsonntag vergangen, es fühlt sich im Moment an, wie drei Tage. So viel ist passiert, dass es mir fast schwerfällt, meine Gedanken zu sortieren, und mich an alles zu erinnern.

Zu unserer großen Freude kam am Pfingstsamstag die Nachricht, dass ein Schwarm in Halle gefallen sei, und schon auf dem Weg nach Kleinfolgenreich ist. Zum Glück hatten wir am gleichen Tag noch kleinere Umbauarbeiten an der Top Bar Hive beendet, so dass die Beute nun fix und fertig für die neuen Bienen bereit stand. Auf Anregung von Max haben wir das Einflugloch an dieser Beute verändert, und von der Stirnseite (Warmbau) auf die Längsseite (Kaltbau) verlegt. In der Theorie sollten die Bienen damit mehr in ihrer natürlichen Richtung bauen können, mit den Wabengassen senkrecht zum Einflugloch. Dabei kann die Stockluft sehr viel besser zirkulieren, und in Richtung des Einflugs ist gar eine Art Atmung des Biens möglich. Im Warmbau hängt im Einflugsbereich die erste Wabe im Weg herum. Und wer möchte schon gern immer mit einem Brett vorm Mund Luft holen…

Modifizierte Beute mit zusätzlichem Einflugloch an der Längsseite ©  me

Umzugskonvoi nach Halle  ©  me

Der Einzug des Schwarms in die nagelneue Beute war ein Fest für alle Sinne. Leider war bei strahlendem Sonnenschein nach nur knapp einer halben Stunde schon alles vorbei! Sehr zielstrebig nahm die Königin mit ihrer Gefolgschaft den großen Kasten in Besitz. Ein Einzug, wie aus dem Bilderbuch.

Nach knapp einer Woche in Kleinfolgenreich stand dann der Umzug nach Halle an. Unsere Idee ist, dass wir die Entwicklung der beiden Völker an den Standorten in der Stadt (Kleingarten im Norden von Halle) und in Kleinfolgenreich beobachten, und dabei Erfahrungen im Umgang mit den Bienen in einer Top Bar Hive sammeln wollen. Auf den Unterschied Warmbau – Kaltbau habe ich schon hingewiesen. Dazu kommen noch die verschiedenen Standortfaktoren in ländlicher Umgebung und in der Stadt, sowie die Betreuung durch einen erfahrenen Imker in Kleinfolgenreich, und einen Neuling in Halle…

Erste Behandlung mit Milchsäure ©  me

Erste Behandlung mit Milchsäure ©  me

Nach knapp einer Woche in Halle haben wir den Schwarm dann zum ersten Mal mit Milchsäure behandelt. Kein ganz einfaches Vorhaben bei einer Oberträgerbeute. Die neuen Waben müssen mit großer Vorsicht gezogen werden. Idealerweise erledigt man das Besprühen zu zweit. Dabei ist ganz besonders auf die Windrichtung zu achten. Die Bienen sollen nicht tropfnass, sondern nur leicht angefeuchtet sein, und werden schräg von unten behandelt. Eine Schutzkleidung ist nicht von Nachteil, für eine 15-prozentige Milchsäurelösung beim Herrn rechts im Bild aber sicher einigermaßen übertrieben…

Der Erfolg der Behandlung zeigte sich einen Tag später, ca. 50 Milben waren auf die Windel gefallen. Der Schwarm hatte also ganz offensichtlich schon eine gewisse Anzahl Milben mitgebracht.

Über die weitere Behandlung und unsere Strategien im Kampf gegen die Varroamilbe werde ich hier regelmäßig berichten. Dieses Thema ist für mich als Neu-Imker noch einigermaßen rätselhaft. Ich will meinen Bienen eigentlich die Hammer-Therapien mit Ameisensäure ersparen. Aber ich möchte sie auch heil über den Winter bringen. Dabei den idealen Weg zu finden, ist für mich im Moment die größte Herausforderung bei meinem Einstieg in die Imkerei.

Obwohl ich die Königin noch nicht in Aktion gesehen habe, kann ich mir eigentlich sicher sein, dass sie fleißig stiftet. Denn drei Wochen nach dem Einzug des Schwarms haben sich am Wochenende junge Bienen eingeflogen. Eigentlich ein sicheres Zeichen, dass das Volk wächst und gedeiht!

Der erste Schwarm zieht ein ©  mb

Warum Top Bar Hive? / me 10.6.15

Mein naiver Gedanke war, dass die Bienen doch bestimmt irgendwie in jeder Beute klarkommen würden, und die Auswahl einer Behausung für den Start doch eigentlich egal sein könnte. Ich hatte die Rechnung ohne das nicht gerade kleine Angebot an Beutenformen und Betriebsweisen gemacht.

Ich habe, um mich umfassend zu informieren, mehrere Neuimker-Stammtische besucht. Natürlich habe ich auch gründlich im Internet recherchiert. Erstaunlicherweise kamen auf meinen Hilferuf in verschiedenen Foren durchaus freundliche Antworten!  Die drei häufigsten Antworten können vereinfacht gesagt so zusammengefasst werden:

1. Nimm ein System, das die meisten Imker in deiner Umgebung schon nutzen
2. Arbeite auf keinen Fall mit Naturwaben
3. Denke zuerst an die Milbenbekämpfung mit Säure, dafür muss die Beute optimal geeignet sein

Da ich alles das eigentlich nicht wollte, blieb als Alternative zu einem herkömmlichen Magazin eigentlich nur die Korbimkerei, oder eine Art Lagerbeute. Ich habe mich mich dann eher intuitiv für eine Top Bar Hive als meine Anfängerbeute entschieden, da diese Bauform und die damit einhergehende Betriebsweise am meisten mit meinen Anforderungen übereinstimmen:

– Bienenhaltung als Hobby vereinbar mit Beruf und Familie
– wenig Eingriffe im Jahr notwendig
– einfache Betriebsweise mit Naturwabenbau
– Möglichkeit der Krankheitskontrolle
– Bienen überwintern auf einem großen Teil ihres eigenen Honigs
– keine Anschaffung von teurem Zubehör für Honigverarbeitung (Schleuder) notwendig
– Bau der Beuten relativ einfach selbst zu verwirklichen

Besonders faszinierend an dieser Beutenform finde ich, dass der Bien als sogenannter Superorganismus im Ganzen beobachtet werden kann. Durch ein großes Seitenfenster ist das problemlos möglich.

Die dann folgende Recherche im Netz hat mich beinahe verzweifeln lassen. Leider war ich auf das Internet angewiesen, da in Halle und der näheren Umgebung kein einziger Imker bereits Erfahrungen mit einer Top Bar hatte. Anders als in Weimar, wo Nils Volkmann mit der Bienengruppe Weimar schon verschiedene dieser Beuten hergestellt und auch mit Bienen besiedelt hat. Auf seinen Seiten habe ich mir viele  Tipps und Anregungen geholt, die letztendlich mit in den Bau meiner ersten beiden Top Bars eingeflossen sind. Ich denke, dass ich die Entscheidung nicht bereuen werde….

Zwei Top Bar Hives entstehen / me 1.6.15

Einen sehr detaillierten Bauplan für den Grundkörper der Top Bar Hive findet man im Internet. Auf den Seiten der Bayrischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) gibt es eine Übersicht mit allen notwendigen Maßen und einer Materialliste im Überblick. Dazu auch eine Anleitung für den Gitterboden, wichtig für Varroakontrolle und Behandlung.
Ich habe für den Korpus 28 mm dickes Fichtenholz verwendet. Die Glasscheibe ist 6 mm dick und innen mit einem kleinen Rahmen eingenagelt. Alle Verbindungen sind gebohrt und verschraubt, die Kanten sind nicht verleimt.

Der Bodenträger mit den Öffnungen für die Varroagitter ©  me

Die Seitenwänder werden mit dem Boden verschraubt ©  me

Die Windeln für die Milbenkontrolle bestehen aus einfachem Sperrholz mit einer angeschraubten Holz-Leiste davor.

Der Rahmen für die Windeln wird befestigt ©  me

Der Grundkörper mit Gitterboden und Trennschied ©  me

Nach der Montage des Korpus musste die Entscheidung fallen. Warmbau, oder Kaltbau? Anders gesagt, soll das Einflugloch an der Stirnseite, oder besser an der Längsseite, gegenüber des Sichtfensters angebracht werden. In den Imkerkursen hatte ich gelernt, beides ist möglich. Es gibt unterschiedliche Beutenformen, mit Wabenstellung sowohl im Warmbau, als auch im Kaltbau. Nach durchaus reiflicher Überlegung von einigen Tagen habe ich mich dann für vier Bohrungen an der Stirnseite entschieden.

Die erste Variante der Einfluglöcher mit kleinem Anflugbrett ©  me

Über die Bedeutung dieser Entscheidung war ich mir zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht bewusst. Es sollte sich herausstellen, dass die Bienen in dieser Beute deutlich anders mit dem Wabenbau beginnen! Ihr natürlicher Trieb ist offenbar überhaupt nicht auf Warmbau ausgerichtet. Darauf werde ich hier zu einem späteren Zeitpunkt nochmal genauer eingehen.

Das Dach des LWG- Bauplanes hat mir nicht gefallen. Ich wollte der Beute ein Giebeldach verpassen, vor allem für einen besseren Wetterschutz durch einen Überstand auf beiden Seiten. Weitere Vorteile sind aus meiner Sicht eine bessere Dämmung und nicht zuletzt eine schönere Optik.

Eine Schicht Dachpappe und darauf eine einfache Stülpschalung bilden den wasserdichten Abschluss nach oben.

Die fertig montierte Top Bar im Rohbau ©  me

Roggenstroh als Dämmung im Dach ©  me

Für die Wärmedämmung des Daches hatte Max eine sehr schöne Idee. Mit dem in Kleinfolgenreich vorrätigen Roggenstroh und originalen DDR-Mangeltüchern sollte ein optimaler Klimaschutz für die Beute erreicht werden können. Diese Art der Dämmung macht das Dach zwar etwas schwerer, erfüllt aber sicher seinen Zweck ganz hervorragend.

Beim Holzschutz habe ich mich für – recht teuren – Beutenlack der Firma Pigrol entschieden. Die Optik erscheint dadurch recht edel, und ist sicher nicht jedermanns Geschmack. Alternativ würde auch ein Anstrich mit Leinöl genügen.

 

Die beiden Top Bars mit lackiertem Korpus und den Dächern im Rohbau ©  me

Wer, wie ich zum großen Glück, einen erfahrenen Tischler in seiner Familie hat, sollte mit den anfallenden Arbeiten für den Bau dieser Beute keine Probleme haben. Vielen Dank Mathias! Ohne dich hätte ich sicher viele Wochen mehr für den Bau benötigt. Eine gut ausgestattete Holzwerstatt ist auch kein Nachteil, diese habe ich im Eigenbaukombinat in Halle gefunden. Die Montage umfaßte insgesamt drei Tage, mit allen Vor- und Nacharbeiten habe ich für den Bau der Beuten insgesamt drei Wochen benötigt.

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